Haie, Mythos & Realität

Initiative zum Schutz von Haien und zur Erhaltung unseres maritimen Ökosystems

Haie, Mythos und Realität

 

Viele Menschen fürchten sich auch heute noch vor Haien, und assoziieren das Wort "HAI" beinahe automatisch mit der Vorstellung von einem riesigen Wassergeschöpf mit einem Maul voller scharfer Zähne, die nur darauf warten, ihre Beute zu packen und zu zerreissen.

 

Wenn wir ehrlich sind, müssen wir zugeben, dass wir, selbst heute, im 20. Jahrhundert, sehr wenig über Haie wissen.

 

 

 

Wir stellen uns in der Regel vor, "den Mensch" auf der einen Seite ganz selbstverständlich in der Rolle des Opfers, und "den Hai" auf der anderen, der nichts anderes vor hat, als uns zu fressen.

 

Eine archaische Vorstellung, die nur begrenzt eine rationale Grundlage hat. Ein realistisches Bild zeigt vielmehr über sechs Milliarden Menschen, die mit einer enormen Geschwindigkeit auch die letzten natürlichen Ressourcen der Erde zerstören und eine unbekannte, jedoch stark schrumpfende Anzahl von Haien im Meer, von denen mehrere Arten am Rand der Ausrottung stehen, mehr als ein Viertel auf den internationalen Roten Listen steht und von denen jedes Jahr die unfassbare Zahl zwischen 150 und 300 Millionen aus ihrem Lebensraum weggefangen wird.

 

Diesen Millionen von Haien, von denen viele bei lebendigem Leib zerstückelt werden und elend zugrunde gehen, stehen vielleicht zehn durch Haie getötete Menschen gegenüber - weltweit.

 

Die Angst vor dem Hai ist bis zu einem gewissen Grad dennoch verständlich, da diese Tiere scharfe Zähne haben und niemand von ihnen gebissen oder sogar lebendig verschlungen werden will...

 

Doch stellt sich die Frage: Wie groß ist der “natürliche Anteil“ an dieser Angst, also jener rationale Anteil, der uns wirklich angeboren ist, und wie viel wurde und wird uns erst durch den Einfluss der menschlichen Gesellschaft, durch Bücher, Filme, Medien und Berichte anerzogen?

 

Homo sapiens hat in seiner Evolution diese Art spezifischer Angst gar nicht entwickeln können, hat sich doch der moderne Mensch nicht hauptsächlich auf Inseln oder Meeresküsten entwickelt. Eine Urangst vor mächtigen Tieren, die große Zähne haben, steckt zwar in ihm, mögen es Löwen oder Bären sein, aber sicherlich nicht jene vor dem Hai. Moderne Studien und die Statistik zeigen ganz klar, dass Haie keinesfalls speziell Jagd auf Menschen machen und dass es nur äußerst selten, weltweit nur einige Male im Jahr, tödliche Zwischenfälle mit Haien gibt.

 

Der Verdacht liegt nahe, dass uns die alles übersteigende Angst vor dem Hai zu einem größeren Teil erst in den letzten Jahrzehnten bis Jahrhunderten anerzogen wurde. Grund genug für die Artenschützer, um das Übel an der Wurzel zu packen und dieser irrationalen Angst durch Aufklärung den Kampf anzusagen.

 

Eine eingehende Analyse beweist es dann auch: Das Bild des “durchwegs bösen“ Hais haben wir ganz wesentlich Steven Spielberg zu verdanken - und Peter Benchley, der die Romanvorlage für einen der berühmtesten Thriller und erfolgreichsten Hollywoodfilme - Der Weiße Hai - lieferte.

 

Später bedauerte Benchley die Auswirkungen seines Romans zutiefst und kämpfte bis zu seinem Tod (er starb am 11. Februar 2006) für den Schutz der Haie. Für Millionen Haie war es allerdings schon zu spät, denn sie sind einem weltweiten "Rachefeldzug" zum Opfer gefallen - einem "Rachefeldzug" gegen ein fiktives Kunststoff-Filmtier und seine Untaten.

Die alles verschlingende Bestie aus dem Film existiert nämlich in der realen Welt nicht.

 

Es ist schon 33 Jahre her – es war 1975 –, dass die erste Folge von "Der Weiße Hai" über die Leinwände der Welt flimmerte.

 

Die durch den Film ausgelöste Panik und Hetzkampagne gegen den Weißen Hai und Haie überhaupt waren in der modernen Welt beispiellos.

 

Kein anderer Film hat das Bild eines Tieres bei Millionen von Menschen so tiefgreifend und so nachhaltig negativ geprägt wie Steven Spielbergs perfekt in Szene gesetzte Horrorvisionen.

 

Im englischen Original hieß der Film Jaws, was “Kiefer“ bedeutet. Ein Name, der wohl unbeabsichtigt einen wichtigen biologischen Hinweis liefert: Haie gehören zoologisch zu den so genannten Kiefermündern, der evolutiv erfolgreichsten Gruppe aller Wirbeltiere, zu der auch wir Menschen – und alle anderen Tiere, die zwischen den Haien und uns Menschen liegen – zählen. Gerade diese Kiefer ermöglichten es ihren Trägern, auf eine “moderne”, neuartige Art Nahrungsaufnahme umzusteigen und die Nahrungsbrocken mit beißenden und mahlenden Bewegungen der Kiefer zu verkleinern – die Grundlage für ihren enormen evolutiven Erfolg und ihre Entfaltung in der Stammesgeschichte. Denn es gibt nur knapp 100 kieferlose Wirbeltiere, aber weit über 50.000 heute lebende mit Kiefern! Das gehört jedoch bereits in ein anderes Kapitel ...

 

Zu behaupten, Haie seien völlig harmlos, kommt bei manchen Haiarten – bei insgesamt etwa 400 Arten ist es allerdings eine Minderheit – einer Untertreibung gleich. Genauso wie andere große Raubtiere mit einem entsprechenden Gebiss oder auch nur der Körpergröße von Löwen, Tigern, Bären oder auch schon größeren Hunden, können manche Haie eine potenzielle Gefahr für den Menschen darstellen. Große Haie sind in ihrem Element auf alle Fälle ungleich mächtiger als wir und könnten uns leicht töten. Doch die Betonung liegt hier auf der Möglichkeitsform: Sie könnten dies tun, wenn wir Menschen in ihrem Verhaltensprogramm als Beutetiere gespeichert wären! Anders ausgedrückt: Sie tun es wesentlich seltener, als sie es tun könnten!

 

Und das hat einen einfachen Grund: Haie haben sich in ihrer Evolution nicht auf Menschen als Nahrung bzw. Beute eingestellt, weil sie 99, 999 % ihrer unglaublich langen Vorherrschaft im Meer, die seit 400 Millionen Jahren andauert, ohne Menschen existieren konnten. Es ist erst einige Jahrtausende her, dass Haie überhaupt gelegentlich und zum ersten Mal die Bekanntschaft dieser seltsamen zweibeinigen Landbewohner machten, die allmählich die Meeresküsten besiedelten und damit angefangen haben, die Meere zu befahren und zu nutzen. Erst seit etwa 100 Jahren haben größere Menschenmassen vermehrt damit begonnen, aus reinem Vergnügen ins Meer zu steigen, um dort Badespaß und Erholung zu suchen. Und erst an die 50 Jahren dringen immer mehr Menschen als Taucher direkt in den Lebensraum der Haie vor. Haie konnten sich also in der Stammesgeschichte gar nicht auf Menschen als Beute “spezialisieren“.

 

Wenn dem so wäre, dann müsste es jährlich bei Milliarden von "Badeereignissen" oder sonstigen Wasserbegegnungen von Menschen unvergleichlich mehr tödliche Unfälle mit Haien geben, Tausende oder gar Zehntausende… Wir sind für Haie einfach nur fremde, unbekannte Wesen, in der Regel ausgerüstet mit verschiedensten geheimnisvollen Geräten. Viele in den Medien als Angriffe übertrieben und sensationssüchtig dargestellten Zwischenfälle mit Menschen enden damit, dass sich der Hai nach einem Biss wieder entfernt. Selbstverständlich sind für die Verletzten solche Unfälle tragisch genug, doch um eine kollektive Hysterie gegen eine ganze Tiergruppe anzuheizen – oder sogar einen regelrechten Hass gegen sie zu schüren – reichen die verhältnismäßig wenigen Opfer nicht aus.

 

Menschen, die sich ins Meer vorwagen, akzeptieren in der Regel auch, dass sie als Gäste in ein fremdes Element vorstoßen. Sie sind sich der Gefahren des Elements Ozean bewusst. Doch von allen Gefahren dieses Elements ist jene von einem Hai gefressen zu werden die geringste. Gerechter Weise und nach derselben Logik müsste man auch gegen Nashörner, Nilpferde, Löwen, Rinder oder Haushunde hetzen (oder Honigbienen), auf deren Konto ungleich viel mehr Todesopfer jährlich gehen. Dennoch würde niemand auf die Idee kommen, solch absurde Hetz- und Hasskampagnen zu beginnen! Es wäre genau das – nämlich absurd. Doch es ist ein bemerkenswertes psychologisches Phänomen, dass es im Fall der Haie den Menschen nicht absurd vorkommt. Spielberg hat seine personifizierte Bestie gefunden, die in fast allen Menschen Grauen hervorruft.

 

Es war gut für die Kinokassen und Einschaltquoten, jedoch katastrophal für die reale Welt, verheerend für das Ökosystem Spielberg gelang es als genialem Regisseur die Mehrzahl der Menschen zu erreichen. Doch was waren die Folgen der Fiktion? Das größte Abschlachten der Haie, das es bis zu dem Zeitpunkt jemals gegeben hat.

 

Unser durch Angst dominiertes Bild ist zweifellos durch moderne Medien geprägt worden. Steven Spielberg hat das Thema Hai geschickt ausgeschlachtet. Bedient hat er sich bekanntlich nicht echter Haie, sondern eines Kunsstoffhais Namens Bruce, dem seine Bestialität ins Gesicht geschrieben stand.

 

Das Dramatisieren der Haie, die übertriebene, hysterische Darstellung der Gefahr, die von ihnen ausgehen soll, das Bild der Haie als blutgierige, primitive Monster, als reine Fressmaschinen, die reißerische Darstellungsweise der Medien – ist eine im höchsten Maß unverantwortliche Denk- und Handlungsweise von Menschen und Medien – mit schwerwiegenden Folgen. Denn die

 

Tatsachen sagen uns das Gegenteil:

 

Nicht wir Menschen sind durch Haie in unserer Existenz bedroht, sondern die Haie durch uns!

 

Nach mehr als 400 Millionen Jahren Vorherrschaft im Meer werden sie innerhalb nur einer Menschengeneration direkt vor unseren Augen ausgerottet!

 

Textauszüge mit freundlicher Genehmigung

von Herrn Dr. Robert Hofrichter, mare-mundi

 

 

 

 

 

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